Agent Orange
Background

Nguyen Huu An (l.), 5 Jahre alt, und Nguyen Thi Thanh Tuyen, 3 Jahre alt, mit ihrer Mutter in Huong Xuan bei Hue. Der Vater lebte in der Agent-Orange- vergifteten Provinz Song Be. Als auch sein zweites Kind mit Missbildungen zur Welt kam, nahm er sich das Leben.
Foto Roland Schmid.

Schätzungsweise hundert Millionen Liter giftige Herbizide versprüht
(Siehe auch unter AKTUELL)

Heute, mehr als dreissig Jahre nach Kriegsende, sagt das Vietnamesische Rote Kreuz, dass immer noch Hunderttausende von Menschen an den Spätfolgen des Dioxin leiden, darunter gegen 100 000 Kinder. Missbildungen, verschiedene Krebsarten und Schwächung des Immunsystems sind unter anderem mögliche Schädigungen durch Dioxin, das sich heute in den Nahrungsketten befindet. Und noch immer werden hoch kontaminierte Böden gefunden, auf denen Menschen ihre Nahrung anpflanzen.

Erst 1998 gab die US Air Force erstmals mögliche Zusammenhänge zwischen Dioxin und Gesundheitsproblemen zu (z.B. Spina Bifida). Dieselbe Air Force, die bezichtigt wird, mit verfälschten Studien die Agent Orange-Opfer unter den amerikanischen Vietnam-Veteranen betrogen zu haben.

Wo einst Primär-Regenwälder mit einer reichen Fauna standen, wachsen heute nur noch Gräser und Büsche. Die Folge sind Erosionen und gewaltige Überschwemmungsschäden. Laut US-Angaben wurden 14% von Vietnams Wäldern durch Herbizide zerstört. Vietnamesische Studien belegen, dass Agent Orange auch zahlreiche gefährdete Tierarten drastisch dezimiert hat.

Während die Amerikaner, Australier, Neuseeländer und alle andern ausländischen Männer und Frauen, die in Vietnam dem Gift ausgesetzt waren, eine Lobby haben, können die Vietnamesen nur davon träumen. Sie werden bis heute von der Völkergemeinschaft im Stich gelassen. Auch von jenen, die all das angerichtet haben. Die scheinheilige Begründung des offiziellen Amerika: Es gebe keine Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen Agent Orange und Gesundheitsproblemen. Obschon es in Vietnam eine unübersehbare Reihe von epidemiologischen Untersuchungen gibt, die keine Zweifel offen lassen.

Lichtblicke in der internationalen Beachtung sind die Agent Orange-Konferenzen von Stockholm im Jahre 2002 (http://www.nnn.se/vietnam/environ.htm) und Paris 2005 (http://www.aafv.org). Sie brachten unter anderem eine internationale Vernetzung. Als Vorbereitung auf die Pariser Konferenz erschien das Buch "L’agent orange au Viêt-nam, crime d’hier – tragédie d’aujourd’hui", Editions Tirésias, Paris.

Die Leidtragenden sind die Opfer in einem der ärmsten Länder Asiens. Überforderte Mütter und Väter, die sich ein Leben lang abrackern für ihre behinderten Kinder. Sie stehen ohne Hilfe da. Wer ohnehin schon arm ist und kein Einkommen hat, für den ist es unglaublich schwierig, so zu leben. Der Zeitaufwand für die Betreuung behinderter Menschen ist so gross, dass es nicht mehr reicht, daneben noch ein Einkommen zu erwirtschaften, das zum Leben genügt.

Die Ausstellung, das Buch dazu und die Rundfunksendungen dokumentieren das Thema auf eindrückliche Weise.

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